Blau in Grau

Ende letzten Jahres flüsterte mich via Steamchat ein Freund an: “Und? morgen ist es soweit!” – und ich: “häh?” – “Na Skyrim!” – “Sky-was?”

Nun bin ich längst etwas schlauer, drückte mich aber dennoch eine ganze lange Weile vor diesem Spiel. Zu viele Avatare stehen in diversen Wäldern in verschiedenen Welten herum und setzen Staub an. Aber je nun, irgendwann erwischt es mich ja doch, also habe ich mir doch ein Schwert und Schild gegriffen und bin los gezogen.

Es gibt immer wieder diese Momente in einem Spiel, wo das weiterspielen auf Messers Schneide steht. Zum Beispiel, wenn ich mir zu sehr Gedanken um vermurkste Spielmechaniken und Menüs mache, und dabei nichts vom Spiel mit bekomme. Oder wo ich mich frage: warum mache ich das hier eigentlich alles? Beide Klippen habe ich erst einmal in den ersten Spielstunden hinter mir gebracht.

Obwohl: das Inventarmenü ist aber auch so was von lieblos.

Und nein, das mag ich nicht immer auf eine zu schnelle PC-Umsetzung eines gamepadtauglichen Kompromisses schieben. Auch für eine Gamepadsteuerung kann man das Ganze etwas netter und ja, auch sinnvoller, gestalten. Was ist denn an einer Rucksackansicht und an einem Charakterbildschirm schlimm? Jetzt liegt neben meiner Tastatur ein Zettel, auf dem ich mir ein Charakterausrüstungsbild gemalt habe, damit ich wenigstens meine Ausrüstungswerte immer schnell im Blick habe und mich nicht durch Listen scrollen muß.

Doch ja, solche Mäkeligkeiten kann man schnell in Skyrim verdrängen, denn die Welt gibt sich wirklich Mühe, einen zu umfangen.

Es ist für mich nicht mal die wirklich sehr nette Grafik, die mich aber auch nicht so sehr vom Hocker reißt. Ja, die Landschaft bietet tolle Aussichten, wenn man nicht gerade auf eine Ebene schaut, man kann schon mal an Stromschnellen anhalten und verträumt den Lachsen beim wandern zusehen. Dafür geht mir aber doch schnell dieses Blau in Grau der nordischen Hochgebiergslandschaft auf den Senkel.

Was für mich eher das besondere ist, ist das viele Leben im Spiel. Ich mag ja eh viel lieber die kleinen zwischenmenschlichen Geschichten. Das Bauerelternpaar, daß sich nicht einig ist, ob die Tochter nun mehr auf dem Hof helfen sollte, oder nicht. Die Kinder, die darüber streiten, ob sie ihren Hund nun verkleiden können, oder ob das eine doofe Idee ist. Und ob Ysolda vom Markt eines Tages wirklich genug Geld zusammen hat, um die Schenke zu kaufen, interessiert mich wirklich sehr und ist eine der vielen Gründen, warum ich das Spiel sicherlich noch lange weiter spielen werde.

Die vielen dann gut umgesetzten Spielmechaniken sind für mich noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber führen zu einer ganz eigenen Eintauchqualität. Ich selber spiele fast magielos, nutze nur Bogen, Schwert und Schild. Da zischt, wummert, blitzt, krawummt nichts im Kampf. Ich torkel eher noch sehr unbeholfen um den Gegner herum, lasse sie viel zu oft meine Seite sehen und wenn ich dann mal zuhaue, macht es nur etwas Plock und Tock. Auch vermisste ich anfangs eindeutige Questgebersymbole. Wieso haben die denn keine Ausrufungszeichen über dem Kopf schweben? Die Leute muß man selber ansprechen? Auf dem Marktplatz stehen und zuhören? Bei Streitgespräche mal Hilfe anbieten? Die blubbern gar nicht alle nur der Stimmung wegen rum?

Diese anfängliche Sperrigkeit… weiß zu gefallen. Ein ganz anderes eintauchen wird einem hier geboten.

Und erscheint mir dann eine Aufgabe doch letztendlich wieder zu gleich, weil dann doch wieder nur Räume und Gänge und Räume und Gänge zu säubern sind, dann denke ich: gleich kommste erst mal nach hause und fragst Ysolda, ob es wenigstens schon mit dem eigenen Marktstand geklappt hat.

Ach ja: eine Hauptgeschichte gibt es natürlich auch. Irgendwas mit Drachen… keine Ahnung um was es da genau geht. Ist aber auch nicht so wichtig…

6 Responses to“Blau in Grau”

  1. phRANK sagt:

    Tjaja,

    und dann spielt man so all die tollen Nebensächlichkeiten, und *schwups* – ist der Hauptteil plötzlich kaputt. Skyrim ist als Erlebnis wirklich toll, nur die Balance ist “broken” bis zur schnellen Langeweile. Ähnlich wie Oblivion im Übrigen.

    Grüße

    phRANK

    • Chräcker sagt:

      Das wären dann die Stellen, wo mein Avatar vielleicht auch wieder irgendwo im Wald abgestellt würde, aber: noch bin ich nicht soweit und wer weiß, vielleicht spiele ich ja das ganze auch begeistert durch und merke dann am Schluss: wo war eigentlich die Hauptgeschichte? Dann wär es ja auch egal, allein jetzt hab ich schon eine Menge Spielstunden Spaß auf dem Zähler. Aber es ist auf jedenfall richtig: von der “Wertigkeit” ist mein Hauptquestfaden jetzt schon unter “ferner liefen”, manchmal vergesse ich sogar, daß ich da ja auch noch eine Aufgabe habe. Soweit mich das andere fesselt, bleibst aber wurscht, dann ist die eigentliche Geschichte eben dünner als Ysoldes Hoffnung auf den Kauf der Schenke. ;-)

  2. Gruvan sagt:

    Also ich bin auch sehr zwiegespalten von dem Spiel. Ich habe soviel Zeit mit kleinigkeiten und dem Erkunden der Welt verbracht, das die Hauptquest total auf der Strecke geblieben ist. Im Endeffekt ist jetzt die Luft schon lange raus, so dass ich die Geschichte nie durchspielen werde. Die Aufgaben die ich aktuell habe, haben gefühlt den Tiefgang, den man noch aus WoW kennt. Hätte das Spiel eine fesselnde Haupteschichte spendiert bekommen, wäre das ganze wirklich genial. Aber wie gesagt, ich habe auch so zig Stunden mit dem Spiel gebracht. Bloß, dass ich nie den Anreiz verspürt habe, es richtig durchzuspielen finde ich schade.

    Die Menüführung etc. Ist übrigens auch auf der Konsole nicht sonderlich angenehm. Wobei mir bei den unterschiedlichen Fähigkeiten in erster Linie aufgestoßen ist, dass man keine eigenen Shortkeys festlegen kann. Der Favouritenbereich reicht da definitiv nicht aus. So ist meiner Meinung nach z.b. Ein Magier auf der Konsole nicht (oder zumindest nicht komfortabel) spielbar.

    Naja, für mich gibts jetzt kontrastprogramm: Diablo 3 ;)

    • Chräcker sagt:

      Hui, waren ein paar Tage bei Ninnie und Yarran, da habe ich doch glatt Deinen Kommentar verpasst…

      Ich bin ja noch am Anfang einer vielleicht-Durststrecke… und ob ich, in der Tat, die Hauptgeschichte durchspiele, weiß ich auch noch nicht, aber ich muß auch schon lange ein Spiel nicht mehr “zuende” spielen. Maaaal sehen.

      Hotkeys gingen beim PC, wenn man per Tastatur spielen würde. Spielt man per Gamepad, gehen die, vollkommen idiotischerweise, auch nicht.

      Diablo schau ich mir an, wenn uns Torchlight-II doch nicht gefallen sollte. ;-)

  3. Gruvan sagt:

    Kein Problem. Ich kriege hier ja auch nicht alles sofort mit (trotz der tollen email-Funktion).

    Mal eine kleine Frage abseits des eigentlichen Themas. Hast du Guild Wars 2 im Blick? Ich glaube, ich muss mir nach der kommenden Prüfungsphase doch mal Geld in die Hand nehmen und meinen 6 Jahre alten PC ersetzen, um da mitmischen zu können…. ;)

    • Chräcker sagt:

      HAH, und jetzt auch mit Kommentar-Zeigleiste rechts, damit Grounder seine Kommentare nicht mehr so gut verstecken kann und Anke die auch mitbekommt.

      Guildwars hab ich mir noch gar nicht Vorschautechnisch angeschaut. Zur Zeit bin ich immer noch mmo-übersätigt, man muß sich da ja immer so intensiv mit Zahlenmechaniken beschäftigen. Etwas, was ich bei Skyrim auch so angenehm finde: Waffen machen Schaden und Rüstungen haben Rüstungsschutz. Und neues gibt es eh kaum. Das ist genau das richtige für mein kleines Hirn. (Jaja, wenn ich da bei Torchlight mal nicht stolpern werde…)

      ABER: ich werde jetzt mal nach Guildwars-2 etwas schielen, solche Anstupser brauche ich und auch deswegen hab ich ja diesen Blog und freu mich über solche Plaudereien…

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