Angekommen in der Realität?
Eine der Spieleserien, die sich selbst immer wiederholt und dabei, so fand ich, feinjustiert besser und besser wurde, ist die GTA Serie. Auch wenn sie stark polarisiert, nicht mal ob der gezeigten und spielbaren Gewalt, die beim näherem Hinsehen dabei noch weitaus harmloser ist als an einem normalen WoW-Abend über die Matscheibe pixelt. Eher, weil sie die Spielelemente einerseits stark zugunsten der erzählten Charakterbeschreibungen reduziert, anderseits aber eine offene Welt so grafisch perfekt simuliert, das man zwangsweise enttäuscht werden muß, wenn man diese Offenheit dann im Detail abklopft.
Gleichwohl: ich bin immer noch begeistert vom letzten Kapitel der Reihe und halte in diesem Genre die Serie für eine der besten Vertreter. Wäre sie eine Fernsehserie, wäre sie von HBO!
Nun wurde GTA-V mit einem ersten Trailer angekündigt.
Jetzt darf das Pixelanalysieren anfangen und jeder kann versuchen, seine Wunschvorstellungen oder Abneigungen in den wenigen Szenen heraus zu schauen. Was ich nach wenigen Sekunden dachte: das wirkt alles um einiges realistischer. Und zwar nicht, weil nun die Grafischraube per se noch mal hoch gedreht wurde, das sehe ich auch eher nicht. Ich denke, da ist auch kaum noch etwas zu verbessern, ausser man lässt nun jedes Baumblatt einzeln sich im Wind realistisch berechnet bewegen. Doch an der Crysis-Serie sieht man ja: realistischer wird es dadurch auch nicht.
Nein, ich meine die kleinen Details, die mehr oder weniger dezent im Hintergrund zu sehen sind oder, wie dieser Herr, eben mal zwischen geschnitten ist. GTA könnte beim jetzigen Tiefpunkt des amerikanischem Traums angekommen sein.
GTA orientiert sich, wie viele Spiele, ganz klar an die Kultur der Fernsehserien, und diese haben in den letzten Jahren einen enormen Qualitätssprung gemacht, der bei unserem Fernsehpublikum total vorbei geht. Wenn Serien überhaubt ins Fernsehen kommen, werden diese zu später Stunde regelrecht versendet. Ein hoch auf die DVD.

Und nicht wenige amerikanische Serien, auch und nicht zuletzt Krimiserien, zeigen eine ganz andere Realität als die gelackten der 80er und 90er. Serien wie The Shield oder The Wire, die an einigen Universitäten bereits als Kursgrundlagen dienen und als eine der soziopolitische Dokumente der amerikanischen Gegenwart eingehen könnte, zeigen den Weg vor. Ich hoffe, GTA folgt, wenn freilich auch auf seichten Füßen.
Das Potenzial hätte diese Serie! Und da wäre es mir auch egal, ob ich weder in der Kneipe Pool spielen kann noch meine Fettwerte sich beim Hamburger essen verändern. Es gilt eine Geschichte zu erzählen, die Geschichte eines gestrandeten Traums.


