Taschengeld-Staubsauger
Mein Sohn ist normalerweise nicht immer sofort dabei, mit glänzenden Augen Spielpackungen im Laden hoch zu halten, und seinen Wunschzettel komplett um zu schmeissen. Aber beim Computerspiel Skylanders von Activison-Blizzard war es dann doch mal soweit.

Aufbauend auf die Spielfigur Spyro handelt es sich hier erst einmal nur um ein nett gestaltetes, mit etwas Augenzukneifen rein kindertaugliches Action-Adventure. Da dieses Spiel für alle gängigen Plattformen herauskommt, ist die Grafik Wii-reduziert, aber Grafik wird ja eh überbewertet.
Die paar Spielminuten, die ich bei Youtube sah, sahen durchaus witzig aus, die Kritik zum Spielgeschehen ist durchaus wohlwollend und wir Hardcore-Rollenspieler sind ja auch nicht die Zielgruppe!
Jetzt kommt aber der Clou! Und zwar für die Herzen kleiner Jungs, für die Sorgen von Eltern, wenn Kinder ihr Taschengeld nicht ausgeben wollen und für die Firma Activision-Blizzard: man steuert im Spiel verschiedene Figuren, jeweils eine aus etwa 30 möglichen. Trine-mässig schaltet man zwischen diesen Figuren um, jede hat seine Stärken und in manche Gegenden kommt man sogar nur mit einer bestimmten Figur rein. Die Figuren sind auf acht Kategorien verteilt, möchte man bestimmte Spielinhalte sehen, braucht es mindestens eine Figur je Oberkategorie.
Das besondere: man schaltet nicht per Tastendruck zu einer anderen Figur, nein: man bekommt mit dem Spiel drei Figuren aus Kunststoff und eine per USB anschliessbare Basisplatte. Möchte man nun zu einer anderen Figur wechseln, nimmt man die eine herunter und stellt die andere Figur auf die Basisplatte… und schwups, befindet sich die jeweilige Figur nun auf dem Bildschirm.
Und? Aufgepasst beim lesen? Ich gebe mal Tipps: Acht Kategorien aus denen man jeweils eine Figur braucht, um alle Spielinhalte zu bereisen und: drei Figuren liegen dem Spiel bei!
Ja sowas! Aber Activison-Blizzard ist nett: man darf die weiteren Figuren nach kaufen. Der Preis liegt bei etwa 9,– je Figur. Und natürlich gibt es auch zusätzliche Welten plus weiteren neuen Figuren zum Nachkauf und sammeln.
Aber nochmal zurück zum Spielprinzip. Der zweite Clou, und das ist wirklich so simpel wie genial: der Spielstand der immer stärker werdenden Figuren wird IN der Plastikfigur abgespeichert. Während wir also sagen würden: toll, ein 10 Euro teurer USB-Stick in Drachengestalt zum Abspeichern des Spielstandes, würde mein Sohn selbigen Drachen in die Hand nehmen und sich sagen: dieser mein Drache ist nun deutlich mächtiger als gestern.
Und mal Hand aufs Herz: hätte Blizzard noch zu meinem World of Warcraft-zeiten eine Krieger-Actionfigur verkauft, in der alle Arsenaldaten meines WoW-Kriegers abgespeichert würden, und die ich nun auf meinen Schreibtisch stellen könnte… ich hätte es sofort gekauft!
Und schlussendlich: haben Freunde das selbe Spiel, und zwar egal für welche Plattform, dann kann man mit seinen hoch gespielten Figuren zu diesen gehen, auf deren Plattformen stellen und dann zusammen in deren Welten weiter spielen und sich so zum Beispiel gegenseitig Weltbereiche aufschliessen… falls das Taschengeld mal gerade nicht langte.
Ich bin geneigt, meinem Sohn nach zu geben!

Ich gebe zu, ich habe keine Kinder und kann somit das ganze Konzept diesbezüglich nicht 100%ig einschätzen.
Aber aus meiner Sicht ist das mal wieder ekelhafteste Geldmacherei. Acht Kategorien und drei Figuren? WTF!
Cleveres Konzept, aber nur für den Hersteller. Na ja.
Ach, ich find das gar nicht so schlimm. Es kommt natürlich darauf an, wie viel “Spiel” man mit den drei Figuren bekommt, mit denen man (wohl) das ganze Spiel auch zu einem Ende spielen kann. Durch die weiter zu kaufenden Figuren schließt man dann Zusatzlevel auf, andere Hersteller gliedern die vorab einfach komplett aus und nennen das dann DLCs. Was man freilich, sicher berechtigt, auch Geldmacherei nennen kann. Aber da bin ich denen nie so Gram, ich finde es eigentlich immer gut, wenn das Geld etwas fliest…und solange das eigentliche Spiel eben stimmt, was ich hier (noch) nicht weiß.
Natürlich: man muß wissen, das man sich hier auf ein im Endeffekt teureres “Spiel” mit einem Spiel einlässt, denn natürlich ist der Reiz, den man sich auch kauft, auch das “sammeln” und “weiter wünschen”. Aber bei Kinder gibt es doch den ein oder anderen Geschenktag, wo ich mich schon immer frage: noch eine elfdrölfste Legopackung? Und was sagen wir der Oma, was der Kleine sich wünscht? (Und wir halten unsere Kinder noch im Vergleich kurz und die schenkfreudige Verwandtschaft an der Leine…)
Ich seh das genauso wie du Chräcker. Wenn man bedenkt was die Kinder von den Großeltern früher so geschenkt bekommen haben – sprechende, laufende, wachsende Plüschhunde die vielleicht 10 mal gestreichelt und bespielt wurden und dann in der Ecke verstaubten. Und die kosteten auch 70 Euro. Ich würde allerdings auch überlegen, wie abhängig unsere Kinder von so einem Spiel werden, sie können ihre Grenzen diesbezüglich schlecht einschätzen und vernachlässigen vielleicht eine vielfältigere Freizeitgestaltung. Auch wenn wir Erwachsene noch ein Auge drauf haben mit der Einteilung der Medienzeit, irgendwann setzen unsere Kids sich darüber hinweg. Sagt die, die ihre WOW-Druidin und Jägerin mit Dateinspeicher auch auf ihren Schreibtisch stellen würde.
Stimmt sicher schon, aber da denke ich (noch *hust*) – Sobald die Kinder sich über meine Medienzeiteregln hinweg setzen, habe ich ganz andere “Probleme” mit denen und da rettet ein nicht gekauftes Spiel auch nichts mehr. Wie gesagt: sag ich “jetzt”. *grinst*
Man handelt sich freilich eher Konfliktmöglichkeiten ein als wenn man das erlauben von atraktiven Spielen einfach ganz weg lässt, das stimmt schon, aber das ist dann auch, finde ich, ein zu einfach gedachter Weg. (Denke aber, das sehen wir ja ähnlich ;-))
Bei dem konkreten Spiel befürchte ich ja eher, das es zu wenig fesselt. Ich hab aber bei den anderen Spielen auch gemerkt: unser Sohn fand die alle eine Zeitlang toll, aber letzt endlich hat er sie alle nach einer kleinen Weile wieder hinter sich gelassen. Zur Zeit spielt er in seiner ganzen Medienzeit ein “Klick-drei-Kugel-in-Reihe-weg”-Spiel, obwohl er fast alle anderen Suchtspiele bei uns da hat und spielen dürfte. Er macht also eh immer alles leicht anders, als ich mir das denken würde – aber immer innerhalb unserer Regeln. Natürlich “noch”… ;-)
Bei der Tochter müssen wir im übrigen mehr auf die erlaubte Zeit pochen, und ihr Spiel lautet Youtube und Facebook.
Ich habe gerade erst von dem Spiel erfahren. Wird es auch noch für den PC rauskommen?
Es ist bereits raus gekommen, seit langem schon, und es funktioniert wirklich sehr gut. (natürlich das Zielgruppenalter etwas berücksichtigen, aber es ist sehr kompetent und liebevoll umgesetzt worden!) – Ich hatte später sogar noch mal von Lieferschwierigkeiten wegen zu hoher Nachfrage berichtet, aber auch die sind inzwischen behoben. Zumindest konnte mein Sohn seine Figuren wieder bei Amazon bekommen.
Lohnt sich das Spiel auch für erwachsene Spieler? Ist es auch an Battlenet geknüpft?
Ich spiele sonst WoW und Adventures.
So gefragt: nein. ;-) Mein 10 jähriger hatte das Spiel das erste mal in ein paar wenige Stunden durch. Der Gag und der Reiz liegt am nachkaufen und sammeln von (kleine!) Zusatzlevel und Zusatzmöglichkeiten aufschliessende Sammelfiguren. Auch die kleinen Kampfarenen dürften echte PvPler kaum ein müdes grinsen entlocken. Da muß man schon als Erwachsener sehr viel Kind in sich haben, um das selber mit zu machen. Es ist übrigens auch “nur” von der Firma Activision-Blizzard, hat ansonsten mit Blizzard wohl eher nichts zu tun.
Gleichwohl: Zielgruppenbezogen finde ich das Spiel sehr wertig und das Konzept legitim. Im herbst soll auch der nächste Teil rauskommen. Nur Erwachsenen alleine würde ich das erst mal nicht empfehlen.
Danke, dass du dir die Zeit für die ausführliche Antwort genommen hast.
Mir reizt es zwar nach wie vor (vor allem, wenn ich das Bild oben sehe), aber zusammengerechnet sind es bestimmt über 100 Euro, die da zusammenkommen – schon ziemlich heftig.