{"id":237,"date":"2021-06-06T09:33:00","date_gmt":"2021-06-06T07:33:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.chraecker.de\/kocks\/?p=237"},"modified":"2021-07-14T16:34:42","modified_gmt":"2021-07-14T14:34:42","slug":"oskar-und-die-dame-in-rosa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.chraecker.de\/kocks\/2021\/06\/06\/oskar-und-die-dame-in-rosa\/","title":{"rendered":"Oskar und die Dame in Rosa"},"content":{"rendered":"\n<p>Heute entdeckte Ina ein kleines B\u00fcchlein zwischen ihren Schreibsachen. Die Grafik auf dem Cover zeigte im Vordergrund ein kahlk\u00f6pfiges Kind, im Hintergrund ein perspektivisch verzerrtes Krankenhausbett. Pl\u00f6tzlich schossen ihr mehrere Gedanken gleichzeitig durch den Kopf. Sie \u00fcberfielen Erinnerungen an die krebskranken Kinder im Krankenhaus &#8211; ihre Hilflosigkeit, die Weisheit der Kinder. Die Weisheit sterbender Kinder. Sie war kaum f\u00e4hig ein paar Seiten zu lesen und aufzunehmen. Gef\u00fchle, Ger\u00e4usche, Ger\u00fcche \u00fcberfluteten sie. Oskar, nein, er hie\u00df Tobias. Wie er sich freute, wenn sie endlich! umgezogen schwei\u00dftriefend ankam. Sie fand Mathe, Deutsch zu machen nahezu unm\u00f6glich. Gab es denn nichts Wichtigeres als stinknormalen Unterricht &#8211; angesichts des Todes? Und dann der 17 j\u00e4hrige Hassan. Sie fragte ihn, was ihn interessiere? Er wollte in seinem grammatischen Ausdruck korrigiert werden!<br>Das B\u00fcchlein ist 2003 erschienen. Wer hat es ihr geschenkt? Seit 1999 war sie nicht mehr Leiterin der Schule f\u00fcr Kranke, somit auch nicht mehr Lehrerin. Sie hatte sich auf diesen Typ der Sonderschulen beworben, weil sie die schier riesige Vielfalt der Aufgaben reizte. Dort wurden zeitweise Kinder aller Schultypen von Grundschulen, Sonderschulen, Gymnasium-und Realschule bis hin zu Berufsschulen w\u00e4hrend ihrer manchmal monatelangen Erkrankung unterrichtet. Die meist psycho-sozialen, chronischen wie auch Krebserkrankungen der Sch\u00fcler belasteten auch die Lehrer sehr. Sie hoffte mit ihrer zur p\u00e4dagogischen Ausbildung zus\u00e4tzlich psychotherapeutischen Qualifikation Hilfestellung geben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal waren die krebskranken Kinder so sehr geschw\u00e4cht \u2013 sei es durch die Chemo-<br>therapie sei es durch die R\u00fcckenmarktransplantation, dass Unterricht nicht m\u00f6glich war.<br>Manchmal merkte sie das erst, wenn sie nach oft halbst\u00fcndiger Umziehaktion an ihrem Bett stand und sie dann schliefen.<br>Manchmal gl\u00fcckte es, in dieser Zeit \u00c4rzte oder Schwestern zu sprechen und sich \u00fcber die psychische Belastung aller Beteiligten auszutauschen. Es war eine Uniklinik, in der viele junge, aufgeschlossene \u00c4rzte praktizierten. Mit der Zeit wuchs das Verst\u00e4ndnis \u00fcber den Zusammenhang von k\u00f6rperlichen und seelischen Prozessen.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihren Unterricht \u201eschmuggelte\u201c sie immer \u00f6fter Literatur \u2013 wie z.B. f\u00fcr Hassan \u201eDer kleine Prinz\u201c und h\u00e4tte sie schon damals das B\u00fcchlein von \u201eOskar und die Dame in Rosa\u201c gehabt, gewiss auch dieses, weil die Kinder, die Sch\u00fcler darin Nahrung und Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihren Lebenskampf fanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch waren es meist die Kinder, die die Erwachsenen tr\u00f6steten, die &#8222;weiser&#8220; waren und &#8222;stark&#8220;; die w\u00e4hrend ihrer erzwungenen Ruhe erfahren hatten, loslassen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ina hatte viel von ihnen gelernt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>St. \u00c9xupery: Der kleine Prinz &#8211; erschienen im Anaconda Verlag<br>E.E.Schmitt: Oskar und die Dame in Rosa &#8211; erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute entdeckte Ina ein kleines B\u00fcchlein zwischen ihren Schreibsachen. 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