{"id":371,"date":"2021-07-14T12:19:00","date_gmt":"2021-07-14T10:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.chraecker.de\/kocks\/?p=371"},"modified":"2021-07-14T16:25:59","modified_gmt":"2021-07-14T14:25:59","slug":"nordsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.chraecker.de\/kocks\/2021\/07\/14\/nordsee\/","title":{"rendered":"Nordsee"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor ihrem inneren Auge t\u00fcrmten sich Wolkengebirge. War sie deshalb im dunklen, nassen November an die Nordsee gefahren? Nicht an einen S\u00fcdseestrand?<br>Warum machst du das?, hatten Freunde sie gefragt. Und dann allein? Du wirst dich langweilen \u2013 nichts ist los. Alle Strandbars geschlossen und sich sonnen, kann man ohnehin nicht- zu kalt, zu nass.<br>Man kann sich noch nicht einmal hinsetzen, wenn man m\u00fcde vom Sandstapfen geworden ist, dachte sie. Zu nass.<br>Also, warum?<\/p>\n\n\n\n<p>Und au\u00dferdem: war das Reisen heute f\u00fcr einen \u00f6kologisch verantwortlichen Menschen nicht ohnehin ziemlich fragw\u00fcrdig? Nur zu rechtfertigen, wenn man, ja was? Sinn- Verstehen suchte? Es sei denn man reiste, um sich zu erholen \u2013 also wegfahren, um sich zu entspannen, etwas zu erleben. Sich von dem Fremden ber\u00fchren, vielleicht sogar ver\u00e4ndern zu lassen, wohl eher nicht. Man nahm ja neben der Zahnb\u00fcrste alles Vertraute, sein Ich, mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Und \u201esch\u00f6n\u201c war das dicke nasse Grau auch nicht und zu gleichf\u00f6rmig als dass es \u00e4sthetisch reizvoll gewesen w\u00e4re. Die Weite von Meer und Grenzenlosigkeit des Himmels \u2013 verschlossen.<br>Auch kein wild sch\u00e4umendes Element, eher die Verlorenheit wie in Richard Wagners \u201eFliegenden Holl\u00e4nders\u201c in seiner ewigen Aussichtslosigkeit.<br>Sie stapfte m\u00fchsam, leicht verdrossen vor sich hin. Nach einer Weile blieb sie stehen, um Luft zu holen. Laufen gegen den Wind strengte an. Als sie aufblickte, starrte sie fassungslos in eine haushohe Wand, die aus dem Nebel, aus dem Nichts sich vor ihr auft\u00fcrmte. Unwillk\u00fcrlich wich sie zur\u00fcck und starrte das Unget\u00fcm entsetzt an, das da ger\u00e4uschlos vor ihr aufragte. Was war das? Woher kam das?<br>Angewurzelt blieb sie auf dem Fleck stehen und starrte und starrte und konnte es nicht fassen. Plagen mich Halluzinationen? Materialisiert sich \u201eDer fliegende Holl\u00e4nder\u201c? Nur ohne Wagner Gebraus, sondern vollkommen ger\u00e4uschlos. Unheimlich. Bewegungslos. Sie hatte das Zeitgef\u00fchl verloren, wusste nicht mehr, wie lange sie so stand. Vom angestrengten Starren tr\u00e4nten die Augen. Und dann \u2013 ja \u2013 kaum merklich ver\u00e4nderte sich die Wand; aus dem hohen Rechteck wurde nach einer Ewigkeit ein langgestrecktes, was sich im Wasser bewegte. Ger\u00e4uschlos, langsam wieder verschwand. Im Nebel.<br>Allm\u00e4hlich l\u00f6ste sie sich aus ihrer Erstarrung, um weiter zu gehen. Doch das schien unm\u00f6glich. Sie konnte keinen Schritt tun. Erschreckt, verwundert und irritiert fragte sie sich, ist hier ein \u00fcbler Zauber aus uralten germanischen Mythen am Werk? Der mich bannt bis ich das R\u00e4tsel gel\u00f6st habe?<br>W\u00e4hrend sie so auf das Unget\u00fcm gestarrt hatte, war sie unmerklich im Schlick des Wattenmeeres eingesunken. Sie war im Nebel ins Wattenmeer hinaus gelaufen. Deshalb war das Gehen so anstrengend gewesen! \u201eUnd wie komme ich jetzt wieder raus? Ohne meine Gummistiefel schon am 2. Ferientag zu opfern?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann war es ihr dann doch gelungen. Aufatmend und schwei\u00dfgebadet hatte sie den festeren Sandboden am Strand erreicht. Auch der Nebel hatte sich etwas gelichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Schemenhaft lie\u00df sich an der unterschiedlichen F\u00e4rbung Strand und Wattenmeer unterscheiden.<br>\u201eDas war knapp\u201c, h\u00f6rte sie eine Stimme hinter sich. Sie fuhr herum und blickte in ein b\u00e4rtiges, nicht unfreundliches Gesicht. \u201eIch hatte mir schon Sorgen gemacht, Sie so weit drau\u00dfen im Watt zu sehen bei diesem Nebel\u201c.<br>\u201eMh, ich hatte mir mein Sch\u00f6nheitsmoorbad etwas w\u00e4rmer vorgestellt.\u201c Sie sah an sich hinunter. Bis \u00fcber die Knie war alles schlammbedeckt und in den Stiefeln quoll es zwischen den Zehen. Sie b\u00fcckte sich, die Stiefel auszuleeren, um besser gehen zu k\u00f6nnen, weil der<br>Schlick darin so sehr dr\u00fcckte. Pl\u00f6tzlich wurde ihr kalt. Wann trollt sich der Kerl endlich?, dachte sie grimmig. Als ob er das geh\u00f6rt h\u00e4tte, kam es mitf\u00fchlend von ihm:\u201cJetzt brauchen Sie vor allem ein hei\u00dfes Bad. Hoffentlich haben Sie es nicht weit.\u201c<br>Da der Nebel sich weiter gelichtet hatte, konnte sie sich orientieren. \u201eZum Gl\u00fcck nicht.\u201c Sie verabschiedete sich und st\u00fcrmte davon. Er schaute ihr noch lange nach. Wie eigen diese Frau war. Wahrscheinlich ahnte sie nicht, dass selbst Zorn und auch die Schlickspritzer im Gesicht ihr standen. W\u00e4re sch\u00f6n, wir w\u00fcrden uns wieder treffen.<br>Eigentlich waren weder in seiner Stimme noch in seinem Gesicht Herablassung zu lesen. Ob der mich wirklich gerettet h\u00e4tte, wenn es brenzlich geworden w\u00e4re?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"830\" height=\"623\" src=\"https:\/\/www.chraecker.de\/kocks\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/P1070123-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-372\" srcset=\"https:\/\/www.chraecker.de\/kocks\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/P1070123-2.jpg 830w, https:\/\/www.chraecker.de\/kocks\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/P1070123-2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.chraecker.de\/kocks\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/P1070123-2-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 830px) 100vw, 830px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Heizung in ihrer Ferienwohnung funktionierte hervorragend und DIE ZEIT trocknete sogar die Gummistiefel erstaunlich schnell.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie trafen sich tats\u00e4chlich wieder. Diesmal nicht im Nebel, sondern bei heftigem Wind und erkannten sich dennoch, obwohl dick vermummt in Kapuzen und Schals. \u201eWas hat Sie bei diesem Wetter nur hier an die K\u00fcste verschlagen?\u201c \u201eDas k\u00f6nnte ich Sie genau so fragen\u201c, entgegnete sie patzig. Sie wunderte sich selbst \u00fcber ihren Ton. \u201eImmer noch \u00e4rgerlich, weil unsere erste Begegnung nicht frisch gebadet im Spitzenkleidchen stattfand?\u201c Sie schluckte. Wie genau er ihre Stimmungslage erkannt hatte! Sie brach in schallendes Gel\u00e4chter aus. \u201eBin ich einem Psychologen begegnet?\u201c \u201eNicht ganz.\u201c Als er nicht weiter sprach, fragte sie,<br>\u201eund, was bringt Sie hierher?\u201c \u201eNachdenken?\u2026\u2026.\u201c \u201e\u00dcber die Zeit? Hier angesichts der Gezeiten?\u201c \u201eBin ich einer Philosophin begegnet?\u201c \u201eVielleicht\u2026\u201c \u00dcberrascht blickten sie sich an. Sie schwiegen lange. Durch die Kapuzenschlitze konnten sie nur wenig die Augen des anderen erkennen und ahnen, wie viel Lachen, wie viel Ernst, wie viel \u00dcberraschung sie ausdr\u00fcckten. Zugleich schwang da etwas mit, das nicht oder noch nicht deutbar war. Wie um die Spannung zu l\u00f6sen, meinte er scherzhaft: \u201eJedenfalls wetterfest.\u201c \u201eUnd schlammerprobt\u201c, antwortete sie grinsend.<br>Der Wind zerrte an der Kleidung, knatterte in der Plastikkapuze. \u201eBeim Stehenbleiben wird mir kalt. Ich m\u00f6chte weiter gehen.\u201c \u201eKann ich gut verstehen. Vielleicht treffen wir uns ja noch einmal und vielleicht ist das Wetter uns dann freundlicher gesinnt?!\u201c \u201eGewiss\u2026.\u201c. Energisch zog sie los.<\/p>\n\n\n\n<p>Weshalb war sie im November an die Nordsee gefahren? Felsenk\u00fcste mit wildsch\u00e4umender Brandung gab es nicht. Sturmfluten ja, verheerende, wie sie an den Markierungen der Treppen zum Deich ablesen konnte. \u201eNordsee ist Mordsee\u201c. Bezog sich dieser alte Spruch darauf? Aber war die Gefahr nicht durch den weltweit einzigartigen Deichbau inzwischen gebannt? Auch hatte sie geh\u00f6rt, dass hunderte Schiffwracks noch immer auf dem<br>Meeresgrund lagen und f\u00fcr die Schifffahrt zus\u00e4tzlich gef\u00e4hrliche Untiefen bildeten.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch hier ein riesiges Wattenmeer \u00fcber das sogar bei Flut das Wasser nur m\u00fcde auspl\u00e4tscherte.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute war es wieder nass-grau, jedoch nicht so st\u00fcrmisch, so dass sie auf die knatternde Plastikkapuze verzichten konnte.<br>Hatte der Strandmann rechtbehalten mit seiner Wetterhoffnung? W\u00fcrden sie sich tats\u00e4chlich noch einmal treffen? Und w\u00fcrde sie das wollen? Einerseits st\u00f6rte sie seine ruhige Selbstgewissheit, andererseits schien er nicht uninteressant und\u2026.Eins war sicher, sie war nicht hierher gefahren, um jemanden kennenzulernen!<\/p>\n\n\n\n<p>Weil die Natur so unspektakul\u00e4r war, fand sie Zeit, Nuancen des scheinbar immer Gleichen wahrzunehmen; sich einzuf\u00fchlen in diese grau-nasse Situation, um wirklich Da-zu sein, um diese Welt zu verstehen. War dies nicht sogar der eigentliche Grund der Reise gewesen?<br>Es gab nur Grau und Blau, die aber alles andere als nur einfach grau und blau waren. Also das \u201eBlau\u201c am Meer. Wie w\u00fcrde sie das ausdr\u00fccken \u2013 in Worten, in Farben-welche Emotionen entstanden?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein K\u00f6nigsblau \u2013klar, nein. Ein graues Blau, eher sogar ein schwarzes Blau, tief; weich, kein hartes, spitzes, unmissverst\u00e4ndliches Blau, sondern- ach nein, gerade jetzt mit einem rosa Widerschein; ein violettes Blau hin zum Ultramarin spiegelte sich in modrig farbenen Priellachen. Auf einmal riss der geschlossene, schwere bleigraue Himmel auf und man ahnte das Azur. Je heller es wurde, desto intensiver das Gr\u00fcn-blau. T\u00fcrkis farben. Es sog dich an. Es sog dich auf. Es sog dich in das Himmelsloch. Und drau\u00dfen drum herum das bleischwere tote Graublau, unbeweglich, unmissverst\u00e4ndlich hoffnungslos.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Er erkannte sie schon von weitem an der schwarzen Jacke, dem orange-schwarzen Schal- irgendein orientalisches Muster \u2013\u00fcberhaupt fast alles in schwarz, aber ohne Kapuze, deshalb war die windzerzauste M\u00e4hne diesmal sichtbar. Einige widerspenstige, schwarze Locken hatten sich stets hervor gekringelt. Pl\u00f6tzlich merkte er wie sehr er sich freute, sie zu sehen.<br>Warum? Abwechslung hier am einsamen, nassen Strand? Ja, er war neugierig, gestand er sich. Was war das f\u00fcr eine Frau, offensichtlich allein, ohne Freundin, ohne Freund!, ohne Hund. Dabei machte sie keineswegs einen ungl\u00fccklichen Eindruck. Beruf? Gereist? Er w\u00fcrde sie fragen. Jetzt blieb sie stehen, sah aus, als ob sie \u00fcber irgendetwas nachdachte. Nein, sie hatte ihn noch nicht gesehen, denn sie blickte aufs Meer hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann standen sie sich gegen\u00fcber. Weder Begr\u00fc\u00dfung noch \u00dcberraschung, stattdessen blickten sie sich lange schweigend an.<\/p>\n\n\n\n<p>Als h\u00e4tte ihr Gespr\u00e4ch nie aufgeh\u00f6rt \u2013 dabei hatte es noch nicht einmal angefangen- fragte sie ihn:\u201cKennen Sie den Film \u201eAll is lost\u201c mit Robert Redford?\u201c \u201eIn dem er allein das havarierte Segelboot vor dem Sturm in Sicherheit bringen will?\u201c \u201eJa. Daran musste ich gerade denken. Er versuchte in die Schifffahrtsroute zu kommen, damit er gesehen und somit gerettet werden konnte.\u201c \u201eDabei hatte er Gl\u00fcck, nicht von den Riesen \u00fcberrollt zu<br>werden.\u201c \u201eGenau so kommt mir hier die Situation vor. So wie mich im Nebel der Pott fast \u00fcberfahren h\u00e4tte. Wieso k\u00f6nnen die hier so dicht am Ufer fahren? Die haben doch einen<br>enormen Tiefgang!\u201c Sie blickte ihn fassungslos an. Offen, neugierig aus gro\u00dfen ausdrucksstarken Augen.<br>Am liebsten h\u00e4tte er sie in den Arm genommen, um, ja um sie zu tr\u00f6sten; denn der Schreck stand noch in ihnen zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie haben recht. Das ist gef\u00e4hrlich, weil \u2013 wie in dem Film \u2013 der Kapit\u00e4n auf der Br\u00fccke die Menschlein so dicht am Schiff nicht erkennen kann. Auch bezweifle ich, ob wir auf dem Radar \u00fcberhaupt sichtbar w\u00e4ren.\u201c<br>\u201eHm.\u201c \u201eHalt eine andere Art des Abenteuers, wenn hier im Wattenmeer schon keine wilden Brecher toben\u201c. \u201eSie machen sich lustig?\u201c Und nach einer Pause gab sie zu: \u201cJa, ich bin tats\u00e4chlich ein wenig ent-t\u00e4uscht. Denn ich kenne die Nordsee durchaus anders.\u201c<br>\u201eVerraten Sie mir, warum Sie im November hierher gefahren sind?\u201c \u201eSie meinen S\u00fcdseestrand w\u00e4re geeigneter?\u201c Gerade noch rechtzeitig entdeckte er das herausfordernde Funkeln in ihren Augen. \u201eNa, klar, so als Strandsch\u00f6nheit in Reisegesellschaft.\u201c Schallendes,<br>befreiendes Gel\u00e4chter. Die Anspannung, das Abtasten, das Sichkennenlernen war einer schlichten Vertrautheit gewichen. Es war, als kennten sie sich schon immer.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas in ihnen war in Schwingung geraten ohne dass sie sich k\u00f6rperlich ber\u00fchrt hatten.<br>Unterschwellig schienen sie beide das zu sp\u00fcren. Doch im Augenblick war keine Zeit, dem nachgehen. Oder doch noch zu fr\u00fch? Zu riskant oder auch schlicht zu unwahrscheinlich sich zu trauen, den anderen mit direkten Fragen zu bedr\u00e4ngen, ihn am Ende zu vergraulen?<br>Zu kostbar diese Begegnung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAlso, eher Reisen als Urlaub machen?\u201c \u201eJa, da-sein, nicht weg-sein. Au\u00dferdem steht der Kopf an den K\u00fcsten freier im Wind.\u201c<br>\u201eSie scheinen eine Reisende zu sein, eher auf der Suche nach dem wozu als nach der Sensation eines \u2013 sagen wir \u2013 exotischen Ziels?\u201c<br>\u201eHaben Sie nicht gesagt, Sie seien hier, um nachzudenken? Das kann manchmal das gr\u00f6\u00dfere Abenteuer sein als\u2026als eine Safari\u201c, f\u00fcgte sie nachdenklich hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Eben noch waren ihre Augen hell, blitzend, strahlend gewesen, jetzt dunkel-schimmernd. Vorsichtig meinte er, \u201ees kommt darauf an, \u00fcber was man nachdenkt, worauf man Antworten sucht. Wieweit man sich traut, ehrlich zu sein,\u201c f\u00fcgte er dann noch hinzu.<br>\u201eIn einer Landschaft, wie die hier sich gerade pr\u00e4sentiert \u2013 unspektakul\u00e4r, sie verlangt keinen \u00dcberlebenskampf im Moment \u2013kann man gut nachdenken, wenn man allein ist.\u201c<br>\u201eFehlt das Gespr\u00e4ch. Im Austausch kl\u00e4ren sich die Gedanken\u201c, erg\u00e4nzte er ernst. \u201eUnd: sind nicht Reisen Gespr\u00e4che mit der Welt\u201c?<br>\u201eStimmt\u201c, sagte sie ruhig und blickte direkt in seine Augen, die sich ver\u00e4ndert hatten, Intensit\u00e4t und Aufmerksamkeit meinte sie zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder schwiegen sie, sich wundernd, was da mit ihnen geschah. Ein solch unmittelbares Verstehen, das schwindeln machte.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich eine aufgeregte Stimme:\u201cAch, hier bist du! Ich habe dich schon \u00fcberall gesucht.\u201c Ein junger Mann blieb schnaufend bei ihnen stehen.<br>Gerade hatte er sie nach einer Adresse fragen wollen. Er hatte beobachtet, wie sie mit einem Smartphone fotografierte. Also konnte man Adressen austauschen. Pl\u00f6tzlich wurde ihm bewusst, dass sie sich ja noch nicht einmal vorgestellt hatten\u2013 kannten ihre Namen nicht- keine Zeit\u2026.<br>Und nun platzte Georg dazwischen! Zerriss dieses Zarte von Ahnung und Hoffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie fasste sich als erste, sagte lachend:\u201cIch suche nicht, ich finde\u201c. Dieser Spruch von Picasso hatte sie stets gleicherma\u00dfen fasziniert und ge\u00e4rgert. Aber, er hat recht, dachte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ging sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Entscheidung im November an die Nordsee zu fahren, hatte sie die Vorstellung von einem wilden Himmel geleitet, von Wolkenlandschaften, in denen man sich verlieren konnte, sich nach Unendlichkeit sehnend .<br>Der wilde Himmel spielte sich auf einmal innen ab. \u201eUnd nicht nur bei mir.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wunder des Verstehens von gleichem Ungleich und ungleichem Gleichem, von unterschiedlichem Gleich. Eine Begegnung, die sie nicht gesucht hatte, die geschehen war. Gefunden?<br>Waren sie Platons Kugelmenschen, die geteilt ihre andere H\u00e4lfte fanden?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ihrem inneren Auge t\u00fcrmten sich Wolkengebirge. 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